Geschichte des Instituts

 

Abriss der Geschichte des Instituts für Erziehungswissenschaft

Das Land NRW übernahm mit seiner Entscheidung zur Akademisierung der Gewerbelehrerausbildung eine Vorreiterfunktion in der BRD. Die seit 1957 geführte Auseinandersetzung um die Eckpunkte fand 1960 einen vorläufigen Abschluss. Die Ausbildung für die gewerblich-technischen Berufe wurde der RWTH Aachen und für die kaufmännischen Berufe der Universität Köln übertragen und die bisherigen Berufspädagogischen Institute wurden 1961 geschlossen. Flankierend wurden an beiden Hochschulen zunächst je ein Lehrstuhl für Berufs- und Sozialpädagogik bzw. für Wirtschafts- und Sozialpädagogik eingerichtet und zwar als Institute in Fakultäten in den beiden Hochschulen. Damit war sicher gestellt, dass an die Stelle einer rein berufsschulpädagogischen Ausbildung (Rezeptpädagogik) nun eine durch Wissenschaft und Forschung basierte erziehungswissenschaftliche Ausbildung treten konnte, die der fachwissenschaftlichen Ausbildung gleichrangig war, indem in der Erziehungswissenschaft auch akademische Abschlüsse (Magister, Promotion, Habilitation, heute auch Bachelor und Master) erworben werden konnten.

1961 wurde Johannes Zielinski auf den ersten pädagogischen Lehrstuhl der RWTH Aachen berufen; er war überhaupt der erste Berufschullehrer auf einem erziehungswissenschaftlichen Lehrstuhl in der BRD. Auf seine Initiative hin wurde weitsichtig der Lehrstuhl in „Institut für Erziehungswissenschaft“ umbenannt, da zum einen das Institut auch mit der erziehungswissenschaftlichen Ausbildung der Lehrer für Realschulen und für das Höhere Lehramt (dem Philosophicum) beauftragt war und da zum anderen dadurch der Anschluss an die Disziplin „Erziehungswissenschaft“ in ihrer ganzen Breite in Forschung und Lehre hergestellt werden konnte.

Das Institut erreichte im Studienjahr 1975/1976 seinen höchsten Ausbaustand mit über 6000 Lehramtsstudierenden und fünf Professuren. In den Folgejahren fielen infolge von bildungspolitischen Entscheidungen auf der Landesebene (Sparmaßnahmen, Regionalisierung und Konzentration von Studiengängen) und durch Strukturentscheidungen auf der Hochschulebene (Betonung und Ausbau des naturwissenschaftlich-technischen Schwerpunktes der RWTH und durch Umwidmungen) zunehmend Stellen weg, so dass zwischen 1994 und 2004 nur noch zwei Professuren existierten. Derzeit verfügt das Institut über vier Professuren.

Zwei durchgängige Forschungsstränge prägen bis heute das Profil des Instituts. Zum Berufsbildungsstrang gehören Arbeiten auf den Gebieten Aus- und Weiterbildung (Prof. Zielinski, Prof. Bunk, Prof. Stratenwerth, Prof. Michelsen), Geschichte und Theorie der Berufsbildung (Prof. Müllges, Prof. Bunk), Lernen und Moralentwicklung (Prof. Minnameier). Zum Strang empirische Bildungsforschung entstanden Arbeiten auf den Gebieten Programmierte Unterweisung und Pädagogische Technologie (Prof. Zielinski, Prof. Schöler), Lehr-und Lernforschung (Prof. Klauer, Prof.in Lewalter), Trainingsforschung sowie Pädagogische Diagnostik (Prof. Klauer). Ergänzt wurde und wird das Profil durch zeitweise Schwerpunkte in der Sozialisationsforschung (Prof.in Trommsdorf, Prof. Kürthy), in der Didaktik (Prof. Birkenbeil, Prof. Bischofs), in der Medienforschung (Prof. Gies), in der Pädagogischen Anthropologie (Prof. Zielinski, Prof. Hargasser). Mit Feldern praktischer Erziehung und Ausbildung war und ist das Institut durch Honorarprofessuren, Entwicklungsaufgaben sowie Evaluations- und Begleitvorhaben verbunden. Noch heute erinnert auf der ersten Etage eine Vitrine mit Exponaten an die Entwicklung von Lernmaschinen und -materialien.

Aus dem Institut hervorgegangen sind u. a. die späteren Professoren Müllges (Aachen), Merkens (Berlin), Seiler (Trier), Tulodziecki (Paderborn), Breuer (Mainz), Leutner (Essen), Bunk (Gießen), Schöler (Klagenfurt).

Das Institut war ab 1961 in einem von der Hochschule gemieteten Lagergebäude im Sandkaulbach untergebracht; 1969 erfolgte der Umzug in eine ehemalige Mädchenoberrealschule in der Eilfschornsteinstraße 16 (heute Institut für Philosophie); 1977 zog es in das neu errichtete Institutsgebäude im Karman-Forum in der Eilfschornsteinstraße 7, in dem es heute noch untergebracht ist.


Literatur
• Friede, Christian K.: In memoriam Johannes Zielinski. In: Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, 89 (1993) 5, S. 536-538
• Michelsen, Uwe A.: 40 Jahre Lehramtsausbildung an der RWTH Aachen. In: Der berufliche Bildungsweg, (2001) 12, S. 22-26
• Ommerborn, Rainer: 18 Jahre erziehungswissenschaftliche Arbeit am Lehrstuhl Pädagogik I. Unveröffentlichtes Manuskript. Aachen 1979
• Pätzold, Günter: Akademisierung auf Raten. In: Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, 107 (2011) 2, S. 282-293
• Ruhland, Hans-Josef: Die Entscheidung über die vollakademische Ausbildung der Berufschullehrer 1960. Levenig, Heinrich; Schöler Walter (Hrsg.): Kommunikation und Begegnung. Heidelberg: Sauer 1989, S. 341-353
• Ruhland, Hans-Josef: Eine bildungspolitische Programmatik setzt sich durch: Erinnerung an den Beginn der „Gewerbelehrerausbildung“ an der RWTH Aachen. Unveröffentlichtes Vortragsmanuskript vom 18.03.2011 anlässlich der Frühjahrstagung der Sektion Berufs- und Wirtschaftspädagogik in Aachen

Hier geht es zum Manuskript "Zur Geschichte der Lehramtsausbildung an der RWTH Aachen" von Herrn Dr. Christian Friede

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